Villacidro zwischen Wasserfällen, Geschichte und sardischer Lebensart

File:Raccordo Sanluri Stato-Villacidro.jpg File:Raccordo Sanluri Stato-Villacidro.jpg Foto: Alex10 via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Villacidro verbindet eindrucksvolle Landschaften mit einer ungewöhnlich vielfältigen Kulturgeschichte. Wasserfälle und Flusslandschaften treffen auf Kirchen, archäologische Sammlungen, sakrale Kunst und Museen, während Feste und kulinarische Workshops Einblicke in lokale Traditionen geben.

Wasserfälle und Landschaft am Monte Linas

Am Ortsrand von Villacidro liegt Sa Spendula in der Granitlandschaft des Monte Linas. Der Wasserfall fällt in drei Stufen insgesamt etwa 60 Meter ab. Auch die weitere Landschaft ist geologisch abwechslungsreich: Sie umfasst kristalline Schiefer aus dem Paläozoikum und rosafarbene Granite. Die Gipfel erreichen an der Punta Acqua Zinnigas 1.136 Meter über dem Meeresspiegel.

Der Parco di Villascema liegt am Fuß des Linas-Massivs. Durch den Park fließt der Rio Leni; sein Wasser gelangt flussabwärts in ein großes künstliches Becken. Für eine Wanderung führt der Weg 109 vom Ausgangspunkt Cantina Ferraris im Parco di Monti Mannu durch einen dichten Steineichenwald zur 72 Meter hohen Cascata di Muru Mannu.

Kirchen, Archäologie und lokale Museen

Die Chiesa di Santa Barbara ist die älteste Kirche von Villacidro und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im gotisch-aragonesischen Stil über einem früheren romanischen Bau errichtet. Zusammen mit der Chiesa delle Anime Purganti und dem Oratorio di Nostra Signora del Rosario bildet sie eine Dreiergruppe an der Hauptpiazza des Ortes. Im Oratorio di Nostra Signora ist das Museo di Santa Barbara eingerichtet. Dort werden sakrale Ausstattungsstücke der Pfarrkirche Santa Barbara gezeigt, darunter Statuen, Silberarbeiten, Altäre und hölzerne Ausstattungen. Zum Bestand gehören außerdem Silberarbeiten bedeutender sardischer Silberschmiede wie Cabras, Usay und Mamely.

Die Necropoli Ruinas ist eine archäologische Nekropole in Villacidro aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Einen breiteren zeitlichen Rahmen eröffnet das Civico Museo Archeologico Villa Leni, das seit 2003 im Montegranatico untergebracht ist. Dort sind zahlreiche originale Funde aus bedeutenden archäologischen Fundstätten der Umgebung gesammelt. Die Sammlung umfasst Funde aus der späten Jungsteinzeit zwischen 3500 und 2700 v. Chr., aus der phönizisch-punischen und römischen Herrschaftszeit von 1300 bis 1200 v. sowie aus dem Frühmittelalter. Ein großer Teil der Funde stammt aus dem Gebiet von Villacidro.

Für den Besuch des Villa Leni Civic Archaeological Museum ist ausschließlich eine telefonische oder elektronische Anmeldung bei der Gemeinde Villacidro möglich, solange noch keine festen Besuchszeiten festgelegt sind. Das Farmamuseo Sa Potecaria ist derzeit geschlossen; ein möglicher Wiedereröffnungstermin ist nicht bekannt. Der restaurierte Mulino Cadoni bewahrt dagegen seinen dreigeschossigen Innenraum mit Holzböden und Holzdecken. Heute beherbergt das Gebäude das Museo di Paese d’Ombre, das mit szenografischen und modernen Ausstellungstechniken Einblicke in die Werke des Schriftstellers Giuseppe Dessì vermittelt, insbesondere in seinen Roman „Paese d’ombre“.

Feste, Kirschen und Geschmackserlebnisse

Der Parco di Villascema ist für seine ausgedehnten Kirschhaine bekannt. Dort findet am ersten Sonntag im Juni die Sagra delle ciliegie statt. Eine praktische Verbindung zur regionalen Esskultur bieten die „Laboratori del gusto“ in Villacidro. In Workshops können Sie die Herstellung von Brot, Wein, Olivenöl, Honig und Süßwaren kennenlernen und weitere lokale Agrar- und Lebensmittelprodukte entdecken.

Auch der Festkalender macht landwirtschaftliche und religiöse Traditionen sichtbar. Sant’Isidoro, der Schutzheilige der Landwirte, wird in der zweiten Maihälfte mit einer Prozession auf einem von geschmückten Ochsen gezogenen alten Wagen gefeiert. Begleitet wird sie von dekorierten Ochsenkarren, den „tracas“, sowie von Darstellungen typischer ländlicher und häuslicher Szenen. Die Feierlichkeiten zu San Sisinnio beginnen am Freitag vor dem ersten Sonntag im August mit einer feierlichen Prozession von der Pfarrkirche zur ihm gewidmeten Landkirche im Ortsteil San Sisinnio.

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