Villafrati: Barocke Höfe, Calvario und Chiarastella
Villafrati zwischen baronialer Architektur und geologischer Landschaft
Villafrati verbindet eindrucksvolle Zeugnisse seiner Ortsgeschichte mit religiösen Traditionen und einer Landschaft, in der geologische und archäologische Themen eng nebeneinanderstehen. Wer den Ort bewusst erkundet, bewegt sich vom Palazzo Filangeri und seinen Höfen über Kirchen und Feste bis zur Grotta di Villafrati und zum Pizzo di Chiarastella.
Palazzo und Baglio Filangeri
Der Baglio Filangeri wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von der Familie Filangeri zu Wohnzwecken errichtet und ist um drei Innenhöfe angeordnet. Sein ovaler Haupthof verbindet den wichtigsten Straßenzug des Ortes mit den Gebäuden, die für die baroniale Tätigkeit bestimmt waren, sowie mit Gebäuden, die früher den Bediensteten vorbehalten waren. Für die Orientierung vor Ort wichtig: Der Baglio verfügt über eine Rampe für Menschen mit Behinderungen und kann kostenlos betreten werden.
Der Palazzo Filangeri ist ein in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstandener baronialer Bau, der der Familie Filangeri als Wohn-, Wirtschafts- und Gerichtsgebäude diente. Seine Architektur orientiert sich in vereinfachter Form an palermitanischen Villen des 18. Jahrhunderts und an bürgerlichen Villen; zugleich folgt sie den Regeln des Barockstils. Die Restaurierung und Sanierung des Palazzo wurde 2023 abgeschlossen. Im Hauptgebäude befindet sich im piano nobile das Museo delle Spartenze. Im Getreidespeicher wurde ein festes Theater mit 200 Sitzplätzen eingerichtet, während im angrenzenden Hof ein Freilufttheater entstand, dessen Zuschauertribüne dem natürlichen Gefälle des Geländes folgt.
Kirchen, Brunnen und handwerkliche Geschichte
Die Chiesa del SS. Crocifisso besitzt vierzehn bronzene Kreuzwegstationen des aus Rom stammenden Bildhauers Nino Alesco. In der restaurierten Kirche wird noch heute eine hölzerne Statue des Kruzifixes verehrt. Die Chiesa della SS. Trinità stammt aus dem Jahr 1750 und enthält zwei bemerkenswerte Gemälde, darunter eine von Goffredo Corbella gemalte „Geburt Christi“. Der Bau der Chiesa di San Marco begann 1865; Erzpriester Mario Caltabellotta legte den Grundstein am 23. April.
Nahe der Piazza Umberto I befindet sich die Fontanella a due cannoli, die 1849 von Graf San Marco gestiftet wurde. Sie ist aus Gusseisen gefertigt, trägt unter anderem das Wappen der Grafen und besitzt zwei Ausläufe in Form von Drachenköpfen. Zur lokalen Geschichte gehört außerdem die Gipsherstellung: Sie war ein charakteristisches Handwerk Villafratis und versorgte den örtlichen Markt ebenso wie die Märkte der umliegenden Orte. Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die traditionelle Herstellung in zahlreichen kleinen, familiengeführten Brennöfen namens „Carcare“.
Calvario und gelebte religiöse Tradition
Der Calvario wurde Ende des 18. Jahrhunderts auf einer Anhöhe oberhalb des Viertels Casale außerhalb des Ortes am Rand der königlichen Trasse Palermo–Agrigent errichtet. Er ist über eine steile Treppe erreichbar. Unterhalb der beiden Zugangsrampen des Calvario beherbergt eine Kapelle eine Büste des Ecce Homo. Im Mai versammeln sich Gläubige vor der Kapelle, um den Rosenkranz zu beten. Mit dem Calvario ist am Karfreitag außerdem eine Darstellung der Kreuzigung verbunden.
Das Fest zu Ehren des SS. Crocifisso findet am dritten Sonntag im September statt. Die Feierlichkeiten der Festa del SS. Crocifisso beginnen traditionell am Freitag der zweiten Septemberwoche und dauern bis zum vierten Sonntag an. Dazu gehören drei Prozessionen, bei denen das Bild des SS. Crocifisso durch Villafrati getragen wird. Am feierlichen dritten Sonntag findet die traditionelle Parade „bardatura dei muli“ mit reich geschmückten Maultieren statt.
Chiarastella, Höhlen und frühe Siedlungsspuren
Das Geosit Grotta di Pizzo Chiarastella ist in das Regionale Naturschutzgebiet „Bagni di Cefalà Diana e Pizzo Chiarastella“ einbezogen. Es schützt die Grotta Buffa, die auch als Grotta di Villafrati bekannt ist. Diese Höhle wurde vom Kupferzeitalter bis zur frühen Bronzezeit als Felsnekropole genutzt. Der Pizzo di Chiarastella ist eine geologisch bedeutende Formation dolomitischen Ursprungs, die unter botanischen, faunistischen und geomorphologischen Gesichtspunkten untersucht wird.
Die menschliche Besiedlung des Gemeindegebiets von Villafrati ist seit der Vorgeschichte belegt. Auf dem Monte Chiarastella bestand insbesondere eine Siedlung namens „Chifala“ bis in die normannische Zeit. Im Gebiet von Chiarastella und Contrada Celso wird wegen des besonders steilen Geländes empfohlen, sich vorwiegend zu Fuß fortzubewegen. Eine weitere historische Beziehung zur Landschaft zeigt die Masseria di Villafrati: Sie liegt an der antiken königlichen Trasse, die Palermo mit Agrigent verband.
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