Lercara Friddi zwischen Kirchen, Bergbau und Sinatra-Tradition
File:The Cathedral of Lercara Friddi, c. 1910.jpg
Foto: Unknown author Unknown author via Wikimedia Commons, Public domain
Lercara Friddi verbindet archäologische Spuren, sakrale Baukunst, baroniale Paläste und die Erinnerung an den Schwefelabbau mit einer besonderen Sinatra-Tradition. Dazu kommen religiöse Feste, Museen und die Pantofola, ein Dessert, dem ein eigenes Fest gewidmet ist. Wer Sizilien nicht nur über Landschaften, sondern auch über Geschichte, lokale Kultur und kulinarische Bräuche kennenlernen möchte, findet hier mehrere unterschiedliche Themen in einem überschaubaren Reiseziel.
Colle Madore und die Baugeschichte des Ortes
Am Stadtrand von Lercara Friddi liegt der Colle Madore, ein niedriger, kahler Hügel. Seine umliegenden Hänge gehen in Weinberge und Ackerflächen über. Auf dem Hügel blühte eine Siedlung von der Mitte des 2. Jahrtausends bis zum Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. Unter dem kulturellen Einfluss von Himera wurde am Südhang des Colle Madore zwischen der Mitte des 6. und dem Beginn des 5. Jahrhunderts v. ein kleiner sakraler Bereich neu gestaltet. Der Ort verbindet damit eine offene Landschaft mit sehr weit zurückreichenden Siedlungsspuren.
Auch die Kirchen und Paläste von Lercara Friddi zeigen verschiedene Epochen. Die Chiesa Madre Maria SS. della Neve wurde zwischen 1702 und 1721 errichtet. Ihr Grundriss hat die Form eines lateinischen Kreuzes mit drei Schiffen. Die Chiesa di San Matteo wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Baron Scammacca gegründet und hat viel von ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild bewahrt. In ihrer Sakristei befindet sich ein kleines Museum mit Votivgaben, alten Messbüchern, sakralem Mobiliar und einem silbernen Vortragekreuz.
Der Palazzo Miceli gilt als erster baronialer Palast von Lercara Friddi. Zu ihm gehören ein großes Portal, ein Baglio und ein angrenzender Garten mit einer jahrhundertealten Kiefer. Die baronialen Paläste des Ortes zeichnen sich durch neoklassizistische schmiedeeiserne Gitter und charakteristische steinerne „attuna“-Konsolen aus. Diese Konsolen wurden aus Stein des Steinbruchs San Luca gefertigt.
Sakrale Orte und Feste
Die Chiesa SS. Maria di Costantinopoli wurde von Einwohnern Lercaras errichtet, um das heilige Bild der Maria SS. di Costantinopoli aufzunehmen. Dieses Bild wurde 1807 von Oliva Beccarella gefunden. Die dazugehörige Holzstatue stammt aus dem Jahr 1850 und wird am 20. August in einer Prozession getragen. Am 5. August wird die Chiesa Parrocchiale Maria SS. della Neve mit einer feierlichen Eucharistieliturgie und einem „Schneefall“ aus Blütenblättern gefeiert.
Die Karwoche in Lercara Friddi gipfelt am Ostersonntag in „U'ncontru“, der Begegnung zwischen dem toten Christus, Maria und dem Erzengel Michael. Außerdem wurde das Fest des heiligen Josef als zweitägige Veranstaltung mit religiösen, traditionellen und folkloristischen Programmpunkten angekündigt. Diese Feste prägen den religiösen Kalender des Ortes mit Prozessionen, Liturgie und überlieferten Formen gemeinschaftlicher Feier.
Bergbau, Museen und die Villa Rose
Die Villa Rose war die Residenz der Familie Rose-Gardner, die wegen des Schwefelabbaus nach Lercara Friddi kam. In der Villa befinden sich das Archäologische Museum und das Schwefelmuseum; das Schwefelmuseum befindet sich im Aufbau. Auf den Wegen des Parco Minerario von Lercara Friddi lassen sich Fördergerüste, Winden, eine noch zugängliche Abbaustrecke und Schwefelquellen besichtigen, die mit dem Schwefelabbau verbunden sind.
Zum Museumsangebot von Lercara Friddi gehört das Museo dei pupi in costume, das zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehört. Auch das Museo etno-antropologico gehört zu den Museen von Lercara Friddi. Zusammen mit der Villa Rose und dem Parco Minerario entsteht ein Zugang zu den archäologischen, industriellen und volkskundlichen Themen des Ortes, ohne dass diese Bereiche auf eine einzige Epoche beschränkt bleiben.
Sinatra-Tradition und kulinarische Bezüge
Die Tour „The Roots of an Italian-American Legend“ beginnt an der Piazza Duomo mit einer Geschichte, die die familiären Ursprünge der Sinatra-Familie mit Lercara verbindet. Zu ihrem Auftakt gehört ein Empfang in einer Konditorei, bei dem Pantofola und „sweet Frank“ verkostet werden. Das Mittagessen „At the table with Frank“ interpretiert Gerichte neu, die Rosa für Francis kochte, und wird von einem Koch zubereitet.
Die Tour führt außerdem zu Hausnummer 36, die als letzter sizilianischer Wohnsitz gilt, der der Familie Sinatra zugeschrieben werden kann. Einen weiteren kulturellen Bezug bildet das My Way Festival in Lercara Friddi, eine Musikveranstaltung zu Ehren von Frank Sinatra. Die Verbindung von Familiengeschichte, Musik und regionalen Speisen verleiht diesem Teil des Ortes eine eigene thematische Ausrichtung.
Die Sagra della Pantofola ist ein Fest rund um das gleichnamige Dessert und findet häufig in der Weihnachtszeit statt. Für Ihre Reiseplanung kann dieser kulinarische Bezug ebenso interessant sein wie die religiösen Feiern, die Museen oder die Zeugnisse des Schwefelabbaus. Lercara Friddi lässt sich dadurch aus mehreren Blickwinkeln kennenlernen: über den Colle Madore, über Kirchen und Paläste, über die Bergbaugeschichte oder über die lokale Erinnerung an Frank Sinatra.
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