Tiana zwischen Wassermühle, Wäldern und Orbace-Tradition
Tiana zwischen Wasserläufen und Wald
Tiana liegt im Tino-Tal an der Stelle, an der es auf den Rio Torrei trifft. Die beiden Wasserläufe bilden eine umgekehrte T-Form und münden in den Lago Taloro. Die Lage am Wasser bildet den geografischen Rahmen; die Wälder rund um Tiana fügen einen zweiten Landschaftsbezug hinzu. Der Lago Taloro bezeichnet dabei den gemeinsamen Zielpunkt der beiden Wasserläufe.
Le vie dell’acqua und die Nutzung der Wasserkraft
Das Museum für Industriearchäologie Le vie dell’acqua umfasst eine Wassermühle und zwei Walkmühlen, die weiterhin vollständig funktionsfähig sind. Die Wassermühle diente zum Mahlen von Getreide, das in den Tälern von Tiana angebaut wurde. Bei einer Führung durch Le vie dell’acqua werden sowohl die Walkmühlen als auch die Wassermühle in Betrieb gesetzt. Die drei Anlagen stehen für unterschiedliche Arbeitsschritte: In der Wassermühle wurde Getreide gemahlen, die Walkmühlen wurden zum Walken von Orbace eingesetzt. Kulturinteressierte können hier die Getreideverarbeitung und die Wollverarbeitung an zwei verschiedenen Mühlentypen unterscheiden.
Orbace zwischen Mühlengeschichte und Kleidung
Die Walkmühlen von Le vie dell’acqua wurden im 18. Jahrhundert errichtet und dienten zum Walken von Orbace, einem aus Schafwolle hergestellten Stoff. Tiana ist mit der Orbace-Tradition verbunden. Orbace wird historisch verwendet und heute noch für traditionelle Winterkleidung genutzt. Schafwolle ist der Ausgangsstoff des Materials; die traditionelle Winterkleidung bezeichnet eine heutige Verwendung des Stoffes. Die frühere Arbeit in den Walkmühlen und die heutige Nutzung von Orbace gehören damit zu unterschiedlichen Zeitabschnitten der textilen Geschichte.
Wälder und frühere Viehwege
In den Wäldern rund um Tiana wachsen Steineichen, Flaumeichen, Korkeichen und Kastanienbäume. Die Wege in die Wälder von Tiana verlaufen über Pfade, die früher für die Transhumanz des Viehs genutzt wurden. Die frühere Nutzung der Pfade bleibt dabei ausdrücklich historisch; aus ihr lässt sich keine heutige Betriebs- oder Zugangsregelung ableiten. Die Baumarten beschreiben den aktuellen Naturraum, während die Transhumanz auf eine frühere Form der Viehhaltung verweist. Wer die Waldwege in die eigene Planung einbezieht, sollte sie deshalb nicht mit einer belegten modernen Infrastruktur gleichsetzen.
Sant’Elena und der Brauch Coli Coli
Die Pfarrkirche Sant’Elena in Tiana ist spätgotisch. Der Karneval Coli Coli in Tiana findet am ersten Tag der Fastenzeit statt. Beim Coli-Coli-Brauch schwärzen die „Intintos“ am Aschermittwoch die Gesichter der Menschen, denen sie begegnen, mit Kohle. Für Kulturinteressierte stehen damit eine spätgotische Kirche und ein örtlicher Brauch mit festem Termin nebeneinander.
Brot aus der agrarpastoralen Küche
Zur agrarpastoralen Küchentradition von Tiana gehören die Brotsorten pane fresa und pane carasau. Das in den Tälern von Tiana angebaute Getreide und die beiden Brotsorten verbinden Anbau und Küche mit dem historischen Mahlvorgang der Wassermühle. So lässt sich die lokale Brotkultur anhand konkreter Produkte und eines überlieferten Verarbeitungsschritts beschreiben.
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