Sabbioneta – Idealstadt zwischen Mauern, Monumenten und Landschaft
Sabbioneta ist eine ungewöhnlich klar geplante Stadt: In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand sie unter der Herrschaft von Vespasiano Gonzaga Colonna in einer einzigen Entstehungsperiode mit rechtwinkligem Rastergrundriss. Befestigungsmauern, Straßenraster, öffentliche Plätze und Monumente machen den Ort zu einem der besten Beispiele für ideale Städte in Europa. Für Sie bedeutet das ein Reiseziel, dessen Geschichte nicht nur an einzelnen Gebäuden, sondern auch an der gesamten Stadtanlage ablesbar ist.
Stadtbau und herzogliche Architektur
Der Palazzo Ducale ist das älteste der von Vespasiano errichteten Gebäude und wurde zwischen 1560 und 1561 erbaut. Einen markanten Rahmen bildet die Stadtmauer, die zwischen 1556 und 1589 errichtet wurde. Sie formt ein unregelmäßiges Sechseck und besitzt sechs keilförmige Bastionen: San Nicolò, Santa Maria, San Francesco, Sant’Elmo, San Giorgio und San Giovanni. Am 6. Dezember, dem Geburtstag Vespasianos, fällt Sonnenlicht durch das zentrale Fenster der Fassade in den Palazzo Ducale.
Paläste, Theater und Sammlungen
Der Palazzo Giardino trägt auch den Namen „Il Casino“; er war Vespasianos private Villa und Rückzugsort. Das Gebäude spiegelt sein Interesse an der klassischen Antike und an humanistischen Idealen wider; der angegliederte Garten wurde ab 1584 als geometrisch angelegte Grünfläche mit einem Brunnen, drei Grotten, Wasserspielen und antiken Statuen gestaltet. Die feste Bühne des Teatro all’Antica entstand nach dem Vorbild der Abhandlung von Sebastiano Serlio.
Die Galleria degli Antichi trägt auch den Namen „Corridor Grande“. Sie wurde zwischen 1583 und 1586 erbaut; im unteren Geschoss reihen sich 26 Arkaden auf einer Länge von etwa 97 Metern. Das Gebäude wurde als Aufbewahrungsort für Vespasianos archäologische Sammlung antiker Marmore mit Büsten, Statuen, Inschriften und Reliefs errichtet. Im Museum für sakrale Kunst wird der Anhänger des Halsbandes des Ritterordens vom Goldenen Vlies aufbewahrt. Vespasiano wurde damit 1585 ausgezeichnet, und der Anhänger wurde 1988 im Grab des Herzogs gefunden.
Religiöse Orte und neue Perspektiven
Die Chiesa della Beata Vergine Incoronata wurde zwischen 1586 und 1588 als Palastkapelle und Pantheon für die Dynastie des Herzogs von Sabbioneta errichtet. Sie enthält außerdem das Grab-Mausoleum des Herzogs Vespasiano. Die Synagoge von Sabbioneta wurde 1824 nach einem Entwurf des örtlichen Architekten Carlo Visioli in demselben Gebäude errichtet, in dem sich zuvor ein kleinerer Gebetsraum befand.
Der wieder für die Öffentlichkeit geöffnete Bereich der Porta Vittoria bietet einen besonderen Blick auf die Stadt. Von dort lassen sich ihre Dimensionen, ihre städtebauliche Struktur und die von Vespasiano geplanten perspektivischen Effekte besser verstehen. Eine weitere Möglichkeit, Geschichte aktiv zu erschließen, ist „Scopri il Tesoro della Città Ideale“: Die permanente Schatzsuche lässt Erwachsene und Kinder Geschichte, Monumente und Besonderheiten Sabbionetas entdecken.
Landschaft, Wege und regionale Eindrücke
Auch außerhalb der Mauern bleibt die Verbindung von Stadt und Landschaft präsent. Die Radroute Mantova–Sabbioneta ist ein gemeinsamer Rad- und Autoverkehrsweg. Sie verbindet die beiden UNESCO-Städte über verkehrsarme Straßen und durch die Feuchtgebiete des Parco Oglio Sud. Bis nach Sabbioneta führt die Route durch eine ländliche Landschaft mit bewirtschafteten Feldern, Obstgärten, Weinbergen und Laubwäldern.
Die Arginelli-Dämme erstrecken sich über etwa 18 Kilometer, umgeben den größten Teil des Gemeindegebiets und bieten Aussichtspunkte auf die umliegenden Siedlungen. Das Projekt Cerchio d’Acqua vermittelt das historische Dämmsystem von Sabbioneta aus dem 12. bis 14. Jahrhundert sowie die biologische Vielfalt der umliegenden Grünflächen. So können Sie die geometrische Stadtanlage mit den offenen Landschaftsräumen ihres Umfelds verbinden.
Anreise und lokaler Geschmack
Der Bahnhof Casalmaggiore liegt 6 Kilometer von Sabbioneta entfernt; die Weiterfahrt ist mit Taxi oder Bus möglich. Zur lokalen Tradition gehören Filòs, hausgemachte Kekse, die mit dem abendlichen Beisammensein früherer Bauernfamilien verbunden sind. Sie ergänzen den architektonischen Eindruck um einen kleinen, alltagsnahen Einblick in die Kultur Sabbionetas.
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